TRICKSKI (SUOL/BERLIN)
DANIEL BORTZ
Es ist Sommer 2011 und auf dem House-Dancefloor wird auf die Bremse
getreten. Maximale Entschleunigung bei minimalem Reibungsverlust.
Dreckiger Suspense-Funk bei 115 bpm. Ganz vorne dabei Yannick Labbé besser bekannt als
Trickski. Auf ihrem lang erwarteten Debüt-Album „Unreality“ beschwören die
beiden in Berlin lebenden Produzenten die Wucht des langsam schiebenden
Grooves.
Seit ihrer ersten Maxi auf Compost Black Label vor sechs Jahren, sind die zwei
einen weiten Weg gegangen. Aus ihrem Detroit-affinen Sound mit Hang zur
großen Geste, mit dem sie vor sechs Jahren wie ein Wirbelwind in Sonar
Kollektivs sonst eher auf Akuratesse bedachte NuJazz-Paralleluniversum
hineingeplatzt sind, ist ein ungleich düsteres schleppend-souliges Brodeln
geworden, voller blecherner Percussion-Sounds, grobkörniger Samples und
mechanischem Funk.
Die siebzehn Tracks auf „Unreality“ stellen das vorläufige, prachtvolle Ergebnis
einer langsamen Evolution des Trickski-Sounds dar. House Musik für dunkle
intime Clubs, in denen die Alltagsrealität für eine Nacht ausgehebelt zu sein
scheint. Und so ist der Album-Titel auch als Reflektion auf eine Szene gemeint,
die im Spannungsfeld von kollektiver Entgrenzung und Realitätsflucht
Wochenende für Wochenende nach ihren ganz eigenen, mitunter verschrobenen
Gesetzen existiert. Unreality dreht sich aber nicht nur um die Dinge im Nightlife,
die sich die beiden wünschen - bzw. die sie nicht wahr haben wollen - sondern
auch um die Unrealitäten im Leben an sich.
Mit „Unreality“ katapultieren sich Trickski endgültig an die Spitze der
europäischen House-Produzenten. Mit Suol-Labelmate Fritz Kalkbrenner, Ernesto
aus Göteborg und Irfane Khan-Acito aus Paris gibt es auf ihrem Debüt-Album
drei der einprägsamsten Stimmen zur Zeit zu hören. Außerdem singen die
beiden Produzenten auch selbst. Auf massive Peaktime-Monster wie „Good Time
To Pray“, „Wilderness“ oder „Love‘s A Beat“ folgen skizzenhafte Interludes, die
die siebzehn Tracks in ein perfekt ausbalanciertes Ganzes verwandeln.
Wie hat Philip Sherburne den Sound von Trickski einmal passend beschrieben:
„The perfect balance between grinding and glowing".
Beginn 23:00 Uhr